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Nachbereitung Gedanken Zeitung




28-01-2006

So, jetzt bin ich also schon wieder ein halbes Jahr in Deutschland. Am Anfang war es unglaublich schwer, da alle etwas von einem erwartet haben, nun ist es nicht wesentlich einfacher, aber man Gewöhnt sich irgendwie an diese kalte Umgebung. Einerseits ist das zwar gut, andererseits merke ich auch, das immer mehr meiner Erlebnisse in mir drin verblassen.

Kontakt zu Chile hab ich immer noch, mit meiner Familie und meinen Freunden. Als meine Klasse im November in Deutschland war, konnte ich sie auch nochmal alle sehen, doch der Abschied von neuem fiel sehr schwer, denn ich wusste ja nicht, wann ich sie endlich wiedersehen werde. Nächste Woche geh ich aber erstmal eine meiner besten Freundinnen aus Chile besuchen, die gerade bei ihrer Verwandtschaft im Schwarzwald ist.

Ob ich mich verändert habe? Ich denke ja. Ich habe eine andere Denkweise über Dinge bekommen, ich versuche meistens noch das Positive im Leben zu sehen, wenn es mir richtig schlecht geht. Ich merke auch, das ich selbstständiger geworden bin. Aber ich merke auch, das ich noch ein totales Kind geworden bin, bzw. ich habe das Kind in mir wieder aufgeweckt. Ich merke einfach, wie einzigartig es ist, Kind zu sein, und deshalb muss man dies solange wie möglich noch behalten! Ich will noch nicht erwachsen werden!!

In der Schule geht es mir auch gut. Ich habe ja die Klasse "wiederholt". Am Anfang waren meine Noten grottenschlecht, v.a. in den Naturwissenschaften und Englisch. Doch jetzt zum Halbjahr ist das halbwegs ok, bis auf Englisch. Ich habe eben doch in Chile mein Englisch verlernt!

Ich helfe nun auch bei AFS Deutschland mit, das ist eine Organisation, die Austausch in die ganze Welt anbietet. Dort betreue ich Gastschüler, und durch die Treffen, die monatlich stattfinden, kann ich mich auch mit anderen Austauschschülern, die jetzt wieder in Deutschland sind, austauschen.

Im Ganzen hat mir mein Austauschjahr viel gebracht, auch wenn ich meine Erlebnisse teilweise noch verarbeiten muss. Ich glaube dies ist der schwerste Teil eines Austauschjahres, die Zeit danach...





8-06-2006

Lange ists her, das ich das letzte Mal geschrieben habe. Wie ich mich fühle? Es gibt Tage, an denen ich denke, dass ich (endlich) in Deutschland angekommen bin, und dann kommen wieder solche Tage, an denen ich mich total am falschen Platz fühle. Inzwischen werden es aber weniger solcher Tage, denn langsam gewöhnt man sich an alles, auch wenn es einem nicht gefällt.

Mich hat man mal gefragt, wie das denn mit Freunden wäre, mit denen man davor schon befreundet war. Bei mir war das so, dass ich fast den ganzen Kontakt zu ehemaligen Freunden verloren habe, außer zu einer Freundin, Karin. Ich merke, dass meine Freundschaften davor eigentlich keine richtigen Freundschaften waren, und so hab ich auch versucht das zu ändern.
Inzwischen hab ich das Gefühl, dass ich in meiner jetzigen Jahrgangsstufe gute Freunde gefunden habe. Mit Karin mach ich noch am meisten, da sie auch in meiner Klasse ist, und wir wirklich jedes Fach zusammen haben (sogar Russisch), und so machen wir nur schei*e.
Mit den Leuten aus meiner ehemaligen Klasse hab ich eigentlich nichts mehr zu tun. Denn die, mit denen ich davor was zu tun hatte, sind auch garnicht mehr auf der Schule.

In der Schule hab ich inzwischen auch keine Probleme mehr (außer Englisch) und meine Noten sind besser als erwartet. Ich glaube das liegt daran, dass ich in Chile gelernt habe zu lernen. :)

Mein Deutsch ist immer noch nicht so gut, aber es bessert sich, und inzwischen merke ich selber, wenn ich was falsches gesagt habe, deshalb hört man bei mir oft nach dem eigentlich Satz noch ein "das war aber grad kein Deutsch". Und der andere darf mich dann verbessern.
Doch wenn ich alleine bin, denke ich immer noch die ganze Zeit auf Spanisch. Wenn ich allerdings Deutsch reden muss, dann denke ich auch so. Das Übersetzen Spanisch-Deutsch das ich vor 11 Monaten noch hatte, ist halbwegs überstanden.

Mit meinen Freunden in Chile steh ich immer noch im Kontakt, und ich plane im Dezember wieder rüberzufliegen, um alle zu besuchen. Es wird nicht mehr das gleiche sein wie es war, aber es wird schön endlich alle wiederzusehen. Das ich das finanzieren kann, muss ich allerdings erst den Ferienjob bei B/S/H/ kriegen, das würde dann bedeuten, das ich 4 meiner 6 Wochen Sommerferien bei Bosch am Band verbringe, aber was macht man nicht alles um wieder zurückzukommen!

Die Zeit danach ist schlimm .... aber irgendwie gilt es sie zu überstehen. Und auch wenn man es denkt, man ist nicht der Einzigste der das alles durchmacht.
Es gilt zu lernen, wie man sich an eine neue Welt anpasst. Und irgendwann merkt man, dass das bei Deutschland nicht anders ist.






3-08-2007

Schon über 2 Jahre her, dass ich von meinem Austauschjahr wieder zurückkam. Doch zwischenzeitlich war ich in den Osterferien wieder für 3 Wochen wieder in Chile. Und es war nur toll! :)
Es hat mir gezeigt, dass ich trotzdem noch dazu gehöre, es hat mir alle Angst genommen. Und seitdem geht es mir auch hier in Deutschland wieder besser. Ich habe erkannt, dass das Leben weitergeht, in Deutschland, und ebenso in Chile. Und trotz alledem werde ich in Chile nicht vergessen... es war ein unglaubliches Gefühl. Mein Besuch in Chile war schöner, als ich mir es je hätte erträumen können.
Zudem konnte ich, als ich März und April nochmal da war, zum letzten Mal meine Großtante treffen, die ich während meines Austausches erst richtig kennengelernt hatte, und mit welcher ich mich sehr gut verstand! Nun ruht sie hoffentlich in Frieden. Tante Annemarie, ich werde dich nie vergessen!!!

Hier in Deutschland läuft zur Zeit auch alles bestens. In der Schule habe ich jetzt die Klasse 12 hinter mir... mehr oder weniger im grünen Bereich...
Seit Mai hab ich jetzt auch endlich einen richtigen Job. Seitdem führe ich Kindergeburtstage im Steiff Museum durch. Und bald darf ich auch meine erste Führung durchs Geburtshaus der Margarete Steiff machen.
Auch organisiere und/oder betreue ich immer noch Camps mit Austauschschülern für AFS. Zur Zeit darf ich die Grundvorbereitung für die Winterabreise organisieren. Sehr interessant sowas! :)
Mit meinen Freunden ist alles super! Jetzt haben wir zwar grade Sommerferien und die Meisten sind weg, doch ich war vorgestern erst mit einigen Freundinnen in Stuttgart, und morgen gehe ich mit der Nina ins Musical.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich mir hier mein Leben wieder neu aufgebaut habe, auch wenn es gedauert hat. Und wie mein Onkel in Chile gemeint hat, als ich jetzt wieder da war: Ich bin innerlich gewachsen.



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©2005-07 Lara Teichert